Symphoniekonzert - Ollikainen & Shaham

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Sergej Prokofjew verabscheut die stalinistischen Machthabenden, gleichzeitig sehnt er sich aus dem Exil zurück in seine Heimat. 1936 entscheidet er sich zurückzukehren – auf gewisse Weise auch ästhetisch: Sein Zweites Violinkonzert, das er in diesen Jahren komponiert, klingt ganz anders als das schroffe, dissonante Erste, das er 20 Jahre zuvor geschrieben hatte. Der Komponist strebt nach einer »neuen Einfachheit« und entwickelt eine Musik, die »vor allem melodisch sein« sollte. Zu einer Zeit, in der unter sowjetischer Führung jegliche Kunst einem ebenfalls »einfachen«, sozialistischen Ideal entsprechen soll, bringt diese Entscheidung für Prokofjew keine Gefahr mit sich.

27.9.2026

20 Uhr, 19.15 Uhr Einführung

Philharmonie Berlin

Herbert-von-Karajan-Str. 1, 10785 Berlin

Philharmonie Berlin

Musik

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Sergej Prokofjew verabscheut die stalinistischen Machthabenden, gleichzeitig sehnt er sich aus dem Exil zurück in seine Heimat. 1936 entscheidet er sich zurückzukehren – auf gewisse Weise auch ästhetisch: Sein Zweites Violinkonzert, das er in diesen Jahren komponiert, klingt ganz anders als das schroffe, dissonante Erste, das er 20 Jahre zuvor geschrieben hatte. Der Komponist strebt nach einer »neuen Einfachheit« und entwickelt eine Musik, die »vor allem melodisch sein« sollte. Zu einer Zeit, in der unter sowjetischer Führung jegliche Kunst einem ebenfalls »einfachen«, sozialistischen Ideal entsprechen soll, bringt diese Entscheidung für Prokofjew keine Gefahr mit sich.

 

Zur gleichen Zeit in Deutschland verschärft sich die Situation vor allem für Jüdinnen und Juden immer weiter. Nach und nach häufen sich Boykottmaßnahmen und Terrorakte. 60 Jahre später arbeitet Steven Spielberg an seinem Film über den NSDAP-Mann Oskar Schindler, der Jüdinnen und Juden vor der Deportation bewahrte, indem er sie als Arbeiter*innen in seiner Fabrik anstellte. Der Komponist John Williams lehnte die Anfrage des Regisseurs zunächst ab: »Du benötigst einen besseren Komponisten für diesen Film.« Doch der blieb dabei. Williams’ Musik erfasst die Grausamkeit der Verbrechen der Nazideutschen genau wie die Angst und zärtliche Solidarität der jüdischen Protagonist*innen miteinander.

 

Musik zu schreiben über politische Gewalt ist schwierig. Das weiß auch Thomas Larcher, der seine Zweite Symphonie ›Kenotaph‹ den abertausenden Geflüchteten widmete, die im Mittelmeer ertranken. Kenotaph meint dabei ein Ehrenzeichen für eine verstorbene Person, ein leeres Grab für jemanden, der vermisst wird. »Wie können wir eine zeitgemäße Tonsprache finden?«, fragt der Komponist. »Dieses Stück handelt viel von den unterschiedlichen Formen von Energie: gebündelt, gestreut, ausgeglichen, kinetisch oder wütend