Finnlands neuer Botschafter Kai Sauer stellt sich vor

Am 27. September überreichte Kai Sauer sein vom finnischen Staatspräsidenten Sauli Niinistö unterschriebenes Beglaubigungsschreiben an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und ist nach dieser Zeremonie somit jetzt akkreditierter Botschafter von Finnland in der Bundesrepublik Deutschland.

Suurlähettiläs Kai Sauer ja Saksan liittopresidentti Frank-Walter Steinmeier

Botschafter Sauer ist mit Deutschland sehr vertraut, denn er wurde im Jahre 1967 in Hamburg geboren. Sein Vater ist Deutscher und seine Mutter Finnin. Im Alter von sechs Jahren zog er mit seinen Eltern aus Hamburg nach Finnland, wo er auch zur Schule ging.

„Ich habe eine finnische Identität, aber Deutschland ist auch immer in mir gegenwärtig. Mein Deutschsein kann ich auf Knopfdruck einschalten“ – sagt Kai Sauer.

Wie bei vielen deutschen Familien enthält auch die Geschichte von Familie Sauer viele dramatische Zeitabschnitte. Der Vater von Kai Sauer wurde in Breslau, dem heutigen polnischen Wroclaw, geboren. Später floh die Familie des Vaters in den 1950er Jahren aus der damaligen DDR nach West-Berlin. Vor dem Bau der Berliner Mauer 1961 galt Berlin als Tor zum Westen. Als Kind verbrachte der Vater von Botschafter Sauer 1951 einige Zeit in einem Flüchtlingslager in Berlin-Tempelhof, ehe die Familie sich im Ruhrgebiet niederlassen konnte. Jetzt ist der Sohn Kai Sauer Botschafter in der Stadt, in dem sein Vater im Flüchtlingslager lebte.

„Die Erfahrungen sowohl meiner finnischen als auch meiner deutschen Großeltern aus dem Krieg und der Nachkriegszeit hatten großen Einfluss auf mich. Die Geschehnisse aus dieser Zeit dürfen sich in Europa nicht mehr wiederholen“, sagt Kai Sauer.

Er betont die Bedeutung der EU als Garant für Frieden in Europa. Diese Rolle der EU wird heute leicht vergessen.

Bei seinem Schulbeginn im Jahre 1974 im finnischen Tampere waren erst 29 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen. Das sei keine sehr lange Zeit, meint Sauer.

Meistens sei es eine positive Erfahrung, Elternteile aus zwei verschiedenen Ländern zu haben.    Unangenehm  war es für ihn als Kind jedoch, als die Schulfreunde bestimmte Comichefte lasen, in denen die Briten immer als Helden und die Deutschen als „die Bösen“ dargestellt wurden. Dann wurde über die Deutschen gespottet und zugleich behauptet, sie hätten Lappland verbrannt, erinnert sich Sauer. Den Deutschen wiederum musste er erklären, dass Finnland keine „Sowjetunion light“ sei.

Stolz über seine deutschen Wurzeln empfand er als Kind beispielsweise, als 1977 die GSG-9 die Geiseln aus dem Lufthansa-Flugzeug auf dem Flughafen von Mogadischu befreite. Ebenso war er auf deutsche Fußballerfolge stolz.

Wenn Finnland und Deutschland sich beim Sport gegenüberstanden, stand sein Vater auf der Seite Deutschlands und er, der Sohn, auf der Seite Finnlands und so ist es bis heute geblieben, erzählt Kai Sauer.

Er treibt gern Sport. Seit seiner Jugend spielt er Eishockey und da er aus Tampere kommt, wird er oft gefragt, ob er die Mannschaft Tappara oder Ilves unterstützt, und seine diplomatische Antwort lautet, dass er ein Anhänger beider Mannschaften sei.

Auch in der Diplomatie gehe es um Teamfähigkeit.

„Ich setze mich für Finnland ein, das ist ein wichtiger Motivationsfaktor bei meiner Arbeit“, sagt der neue Botschafter. Sich für Finnland einzusetzen und das Interesse an internationalen Fragen waren die ursprünglichen Beweggründe dafür, weshalb er im finnischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten arbeiten wollte.

Die Bedeutung der Botschaften zeige sich deutlich in Krisenzeiten, wenn die Diplomaten die Augen und Ohren Finnlands in der Welt sind. „Wir setzen uns für Finnland ein und antizipieren, was sich gerade entwickelt“ – so Sauer.

Er hat eine vielseitige Laufbahn hinter sich. Vor seiner Versetzung nach Berlin war er als Unterstaatssekretär im Ministerium für auswärtige Angelegenheit Finnlands tätig. Davor war er u.a. auch Leiter der Ständigen Vertretung Finnlands bei den Vereinten Nationen in New York und Botschafter von Finnland in Indonesien.

Eine für ihn prägende Phase seiner Laufbahn sind die Jahre 2003 und 2004, als er Referent von Harri Holkeri war, der als Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für die Interimsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo (UMNIK) tätig war. 

Von 2005 – 2007 war er Berater des ehemaligen finnischen Staatspräsidenten Martti Ahtisaari während dessen Amt als UN-Sondergesandter für den Statusprozess im Kosovo (UNOSEK).

„Ich habe versucht, von meinen Vorgesetzten zu lernen. Besonders in Erinnerung ist mir die Fähigkeit Martti Ahtisaaris geblieben, in der hierarchischen UNO-Struktur seine Untergebenen als ebenbürtig zu behandeln und für sie zugänglich zu sein sowie seine Souveränität im Umgang mit den Führern der Großmächte.“, sagt der Botschafter.

Kai Sauer durfte 2008 in Oslo dabei sein, als Präsident Ahtisaari den Friedensnobelpreis erhielt.

Als Botschafter von Finnland in Deutschland hat Kai Sauer drei Hauptthemen, die er voranbringen möchte, nämlich die Sicherheitspolitik, die EU-Zusammenarbeit und die Wirtschaft. Deutschland ist Finnlands wichtigster Handelspartner.

Für Finnland ist Deutschland immer wichtig gewesen. In den entscheidenden Momenten der finnischen Geschichte hat Deutschland immer eine Rolle gespielt. So bekam beispielsweise der finnische Philosoph J.V. Snellman im 19. Jahrhundert aus der Hegelschen Philosophie Anregungen für das nationale Erwachen Finnlands. Deutschland spielte auch eine Rolle im finnischen Bürgerkrieg und im Laufe des Zweiten Weltkriegs durchlief unsere Beziehung zu Deutschland zahlreiche Phasen. Das wiedervereinigte Deutschland unterstützte Finnland sowohl bei seinem EU- als auch bei seinem NATO-Beitritt.

Kai Sauer kennt Berlin von früher, da er Anfang der 1990er Jahre an der Freien Universität studiert hat. Damals sah die Stadt anders aus und nun lernt er Berlin durch das Laufen neu kennen.

„Beispielsweise der Tiergarten ist schön. Letztes Wochenende lief ich durch den Park am Gleisdreieck bis nach Lankwitz. Es gibt beeindruckende Gegenden und viel schöne Natur in Berlin“, meint er.

Sein Ziel jetzt ist der Antwerpen-Marathon am 22. Oktober. Dies wird der zehnte Marathonlauf sein, an dem der Botschafter teilnimmt. So nahm er u.a. insgesamt fünfmal am New York Marathon teil, als er in der Ständigen Vertretung Finnlands bei den Vereinten Nationen in New York arbeitete.

 

Lebenslauf von Botschafter Sauer: https://finlandabroad.fi/documents/20152/122278/264560.pdf/4adfb02c-739e-3ee5-35b4-b46bec3bbf8d?version=1.0&t=1695812825760

 

 

Dan Ekholm

Sini-Tuuli Saaristo