Neuer Verteidigungsattaché: Finnland ist sein Vaterland, die Schweiz das seines Vaters
Am 1. August trat Oberst Marc Fuss seinen Dienst als Verteidigungsattaché an der finnischen Botschaft in Paris an. Er folgt in dieser Funktion auf Oberst Jukka Mälkki. Zum Zuständigkeitsbereich des Verteidigungsattachés gehört auch die Schweiz. Während eines Akkreditierungsbesuchs in Bern hatte die Botschaft Gelegenheit, mit Marc zu sprechen.
Wurzeln und Flügel: Vom Emmental ins Cockpit und zu internationalen Einsätzen
Der für Finnland ungewöhnliche Familienname von Marc erklärt sich dadurch, dass sein Vater Schweizer ist. Seine Eltern lernten sich in der Schweiz kennen, heirateten, gründeten eine Familie und zogen nach Finnland, als Marc eineinhalb Jahre alt war. Die Verbindungen zur Schweiz sind jedoch stets bestehen geblieben, da hier die Familie väterlicherseits lebt. Vor allem in seiner Kindheit war die Schweiz jedes Jahr ein Ferienziel.
Marcs Muttersprache ist Finnisch, während sein Vater Schweizerdeutsch spricht. Obwohl Schweizerdeutsch für viele eine Herausforderung darstellt, fällt es Marc leichter als das Hochdeutsch.
Sein beruflicher Weg zum Oberst der finnischen Luftwaffe begann 2001 mit dem Militärdienst bei der Luftwaffe und der Luftkriegsschule in Kauhava. Von dort führte ihn sein Weg über die heutige «Luftwaffen-Reserveoffiziersschule» an die Kadettenschule. Marc beschreibt seinen Werdegang als klassischen Pilotenlaufbahn. Er flog sowohl die Hornet als auch die Hawk, war Luftkampfausbilder und absolvierte den zweijährigen Generalstabsoffizierslehrgang je zur Hälfte in Finnland und in Frankreich.
Er vermutet, dass seine Erfahrungen in Frankreich und seine guten Französischkenntnisse dazu beigetragen haben, dass er zum Verteidigungsattaché in Paris ernannt wurde. Für diese Funktion werden Offiziere mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen gesucht; Angehörige der Luftwaffe sind dabei eher selten vertreten.
Marc verfügt über internationale Erfahrung in mehreren Ländern. Neben seinen Kindheitsjahren in der Schweiz arbeitete er als junger Mann während vier Sommern in einer Käserei und stellte Emmentaler Käse her. Während seiner Gymnasialzeit verbrachte er ein Austauschjahr in Pennsylvania an der Ostküste der USA. Später lebte er mit seiner Familie anderthalb Jahre in Paris, als Teil seiner Ausbildung im Generalstabsoffizierslehrgang.
Ein vielfältiges Einsatzgebiet
Der Zuständigkeitsbereich des Verteidigungsattachés in Paris ist breit gefächert. Frankreich ist das Gastland, zudem umfasst der Zuständigkeitsbereich die Schweiz, Italien, Spanien und Algerien.
Marc erklärt, dass Verteidigungsattachés die Vertreter des Oberbefehlshabers der finnischen Streitkräfte in den Ländern sind, für die sie akkreditiert wurden. Ihre Aufgabe besteht darin, die militärische Zusammenarbeit zwischen den Staaten zu fördern, weiterzuentwickeln und zu pflegen. Der Arbeitsalltag umfasst eine grosse Bandbreite praktischer Tätigkeiten: Organisation, Beobachtung, Analyse und Berichterstattung.
Wer beim Beruf des Verteidigungsattachés an Geheimhaltung denkt, liegt nur teilweise richtig. Ein Teil der Informationen ist vertraulich oder nur für den dienstlichen Gebrauch bestimmt, anderes wiederum ist öffentlich zugänglich. Damit ähnelt die Tätigkeit stark der üblichen Arbeit in Streitkräften und Diplomatie. Marc schätzt besonders, dass ihm die Arbeit an einer Botschaft auch Einblicke in die Arbeitsweise der Diplomatie vermittelt.
Die Neuausrichtung der Schweizer Sicherheitspolitik im Fokus
Aus beruflicher Sicht beschäftigen Marc derzeit insbesondere die Positionierung der Schweiz und die Diskussionen rund um ihre Neutralität. Er sieht die bündnisfreie Ausrichtung des Landes als einen interessanten Ansatz für internationale Kooperationen.
«Besonders spannend sind die Veränderungen in der Schweizer Sicherheitsstrategie und die daraus resultierenden künftigen Anpassungen der Verteidigungsdoktrin», erklärt er.
Die Schweiz und Finnland weisen traditionell zahlreiche Gemeinsamkeiten auf. Beide Länder kennen die Wehrpflicht und verfügen über einen ausgeprägten Willen zur Landesverteidigung.
Seine ersten Eindrücke als neuer Verteidigungsattaché sind durchwegs positiv. Die Schweizer Bundesverwaltung habe ihn sehr herzlich empfangen. Die Menschen seien offen und den Finnen durchaus ähnlich. Mit einem Schmunzeln ergänzt er, dass die Offenheit zwar nicht sofort sichtbar sei, sich aber rasch entwickle, sobald man sich besser kenne.
Das Beste an der Schweiz: Berge, Herzlichkeit und Kuhglocken
Trotz seiner vielen früheren Aufenthalte in der Schweiz beeindrucken Marc die spektakulären Landschaften bis heute. Besonders schätzt er, dass sich die Menschen, vor allem auf dem Land, gegenseitig grüssen, auch wenn sie sich nicht kennen.
«Und die Kuhglocken. Das hat wohl mit meiner Jugend zu tun, als ich aus dem Fenster der Käserei den Klang der Kuhglocken hörte», sagt der stattliche Luftwaffenoffizier mit hörbarer Wärme in der Stimme.
Text: Eili Andersson, Botschaft von Finnland in Bern, [email protected]