Das finnische Modell der umfassenden Sicherheit

Am Mittwoch 10. Juni, nahm Finnland an einem gemeinsamen sicherheitspolitischen Seminar teil, das in Zusammenarbeit mit den anderen in der Schweiz akkreditierten nordischen Botschaften in der Residenz Norwegens in Bern organisiert wurde.

Am Mittwoch 10. Juni, nahm Finnland an einem gemeinsamen sicherheitspolitischen Seminar teil, das in Zusammenarbeit mit den anderen in der Schweiz akkreditierten nordischen Botschaften in der Residenz Norwegens in Bern organisiert wurde.

Das Thema des Seminars lautete „Gesamtverteidigung und Resilienz im Zeitalter militärischer Konflikte und hybrider Bedrohungen“.

Angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage in ganz Europa stoßen das operative Umfeld und die Aktivitäten der nordischen Länder auch in der Schweiz auf wachsendes Interesse.

Die militärischen Fähigkeiten Finnlands sowie die Systeme zur Versorgungssicherheit wurden dem Publikum von zwei führenden Persönlichkeiten aus den zivilen und militärischen Bereichen der Landesverteidigung vorgestellt: Herrn Janne Känkänen, Generaldirektor der finnischen nationalen Agentur für Versorgungssicherheit (NESA), sowie Generalleutnant Jari Mikkonen, stellvertretender Chef des Generalstabs der finnischen Streitkräfte (Rüstung und Logistik). Die Schweiz wurde bei dem Seminar durch Staatssekretär Markus Mäder als Hauptredner sowie durch Pälvi Pulli, stellvertretende Staatssekretärin für Sicherheitspolitik und Leiterin der Abteilung Strategie und Kooperation im Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (SEPOS), als Diskussionsteilnehmerin vertreten.

Botschafter Okko-Pekka Salmimies hob in seinen einleitenden Worten die wesentlichen Merkmale der umfassenden Sicherheit Finnlands hervor:

„Das finnische Verteidigungssystem basiert auf dem Konzept der umfassenden Sicherheit, einem tief verwurzelten gesamtgesellschaftlichen Ansatz zur Vorsorge. Es bringt zivile und militärische Behörden, den privaten Sektor, die Zivilgesellschaft, die Forschungsgemeinschaft, die Medien sowie politische Entscheidungsträger in einem koordinierten Rahmen zusammen, der die lebenswichtigen Funktionen des Landes schützt.

Dieses Modell hat sich über Jahrzehnte entwickelt und hat seine Wurzeln in den Lehren des Zweiten Weltkriegs. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern setzte Finnland die Weiterentwicklung seiner Vorsorgemaßnahmen auch nach dem Kalten Krieg fort, was zu einem äußerst widerstandsfähigen System geführt hat, das in der Lage ist, modernen, komplexen Bedrohungen zu begegnen.

Das Hauptziel besteht darin, sicherzustellen, dass die Gesellschaft Störungen vorhersehen, bewältigen und sich davon erholen kann. Dies wird erreicht, indem die gesamtgesellschaftliche Resilienz gestärkt und eine enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren aufrechterhalten wird.

Die Resilienz Finnlands beruht auf drei Hauptpfeilern: Zivilschutzräume zum Schutz der Bevölkerung, eine starke Versorgungssicherheit, die den Zugang zu kritischen Ressourcen gewährleistet, sowie glaubwürdige nationale Verteidigungsfähigkeiten auf Grundlage der Wehrpflicht und einer ausgebildeten Reserve.

Diesen Pfeilern liegt eine psychologische Resilienz zugrunde. Diese wird durch eine hohe Medienkompetenz, starkes gesellschaftliches Vertrauen, ein kollektives Mindset, aktives freiwilliges Engagement und einen ausgeprägten Verteidigungswillen gestärkt. Gemeinsam ermöglichen diese Faktoren Finnland, Stabilität zu bewahren und in Krisenzeiten wirksam zu reagieren, wodurch es zu einer der widerstandsfähigsten Gesellschaften der Welt wird.“

Das nordische sicherheitspolitische Seminar in Bern ist zu einer Tradition geworden. Dies war bereits das vierte Jahr in Folge, in dem die nordischen Botschaften diese Veranstaltung organisierten.

 

 

 

 

Text: Aino Orava – Praktikantin, Botschaft von Finnland in Bern
Fotos: Viktor Müller-Hanssen – Praktikant, Botschaft von Norwegen in Bern