Hybridbedrohungen erfordern das Engagement der gesamten Gesellschaft

Die Botschaften Finnlands, Litauens und Polens veranstalteten am 17. Juni in Wien in Zusammenarbeit mit dem Austrian Institute for European and Security Policy (AIES) eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „From Preparedness to Practice: Implementing Societal Resilience against Hybrid Threats“.

Die TeilnehmerInnen sitzen vor dem Publikum.
Das Spektrum hybrider Bedrohungen ist breit: Es reicht von Desinformation und Cyberangriffen bis hin zu Störungen der Infrastruktur.

In der Diskussion beleuchteten Experten und Expertinnen aus Finnland, Österreich, Litauen und Polen die Entwicklung hybrider Bedrohungen sowie dieMöglichkeiten der Gesellschaften, ihre Resilienz zu stärken.

Die PodiumsteilnehmerInnen betonten, dass das Spektrum hybrider Bedrohungen von Desinformation und Cyberangriffen bis hin zu Störungen der Infrastruktur reicht. Die rasante Entwicklung von Technologie, künstlicher Intelligenz und Militärtechnologie wurde als Faktor angesehen, der das Bedrohungsbild verändert.

Die stellvertretende Generalsekretärin des finnischen Sicherheitsausschusses, Oberstleutnantin Annukka Ylivaara, stellte das finnische Gesamtsicherheitsmodell vor, bei dem Sicherheit neben der Verteidigung unter anderem auf Versorgungssicherheit, Infrastruktur, psychologischer Resilienz und internationaler Zusammenarbeit beruht. Sicherheitsrisiken sind vielfältig. Als Beispiele nannte Ylivaara Bedrohungen durch künstliche Intelligenz sowie naturbedingte Gefahren. Sie betonte, dass Sicherheit eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Gesellschaft sei.

Dr. Andreas Schlegel, Stellvertretender Regierungsberater für nationale Sicherheit, betonte die Bedeutung des Bewusstseins der Bürger und warnte insbesondere vor der zunehmenden Radikalisierung im Internet. Laut Schlegel sind sich etwa 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung dieser Bedrohungen nicht ausreichend bewusst, und Akteure der hybriden Einflussnahme profitieren von dieser Unwissenheit. Es bedarf einer aktiven Kommunikation mit den Bürgern.

Herr Oberst Saulius Guzevičius, Leiter der Abteilung für internationale Zusammenarbeit und Informationsunterstützung des Dienstes für öffentliche Sicherheit im Innenministerium Litauens, wies auf neue Formen hybrider Angriffe hin, wie beispielsweise den Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge und Ballons zu Schmuggel- und Störzwecken. Die sich rasch entwickelnden Technologien stellen uns ständig vor neue Herausforderungen. Paula Rejkiewicz, Leiterin der Abteilung für Desinformation des polnischen Außenministeriums, betonte ihrerseits die Bekämpfung ausländischer Informationsmanipulation und Desinformation sowie die Stärkung der Medienkompetenz der Bürger.

Die zentrale Botschaft der Diskussion war, dass die Bewältigung hybrider Bedrohungen die Beteiligung der gesamten Gesellschaft erfordert. Der Schutz der Infrastruktur, die Versorgungssicherheit, die Krisenresilienz der Bürger und Bürgerinnen und eine zuverlässige Kommunikation sind ebenso wichtig wie die traditionelle militärische Bereitschaft.