Die Botschaft von Finnland ehrte am Gedenktag der Verstorbenen der finnischen Luftwaffe das Andenken der finnischen Alpenflieger in Sumvitg

Am 7. September 1920 ereigneten sich in der Schweiz zwei Flugunfälle mit Flugzeugen der finnischen Luftwaffe. Aus diesem Grund wird der Gedenktag für die Verstorbenen der finnischen Luftwaffe jeweils an diesem Datum begangen. Botschafter Okko-Pekka Salmimies und die Stellvertreterin des Botschafters Eili Andersson gedachten dieses Tages gemeinsam mit dem Initianten des Projekts, Pauli Immonen, sowie Vertretern der Gemeinde Sumvitg, beim Denkmal der Alpenflieger in der Gemeinde Sumvitg im Kanton Graubünden.

Was geschah damals und warum?

Muistomerkki sijaitsee syrjäisessä ja näyttävässä alppimaisemassa. Laatta kunnioittaa juuri tällä alueella pudonneessa koneessa menehtyneiden Väinö Mikkolan ja Äly Durchmanin muistoa.
Die Gedenktafel erinnert an Väinö Mikkola und Äly Durchman, die in einem Flugunfall in diesem Bereich ums Leben kamen.

Die für die finnische Luftwaffe beschafften italienischen Flugboote vom Typ Savoia S.9 befanden sich im September 1920 auf einem Überführungsflug von Italien nach Finnland, als ihre Reise durch zwei separate Flugunfälle über der Schweiz ein tragisches Ende fand.

Beim Absturz eines Flugzeugs in den Zürichsee kamen der Offiziersaspirant Carl-Erik Leijer und der italienische Mechaniker Carlo Riva ums Leben. Das zweite Flugzeug verschwand in den Alpen und wurde erst Wochen später auf dem Gliems-Gletscher im Kanton Graubünden entdeckt. Dabei kamen Major Väinö Mikkola und Leutnant Äly Durchman ums Leben.

Damals wurde spekuliert, dass die Ursache der Flugunfälle ein Sabotageakt der italienischen Kommunisten oder eine mangelhafte Verklebung der Propeller sein könnte.

Da es vor mehr als hundert Jahren noch kein System zur Untersuchung von Flugunfällen wie heute gab, kann man die Ursachen der Ereignisse nur mithilfe von späterem Fachwissen beurteilen. Nach den Einschätzungen gilt ein Navigationsfehler als die wahrscheinlichste Ursache des Unglücks von Sumvitg. Das Überfliegen der Alpen war damals äusserst selten, und die Piloten hatten möglicherweise weder ausreichende Erfahrung noch präzise Karten.

Der Unfall verbindet Finnland, die Schweiz und Sumvitg

Sumvigtin kunnanhallitus, kunnanjohtaja, Okko-Pekka Salmimies ja Pauli Immonen.
Gemeindevorstand von Sumvigt, Gemeindepräsident Patrick Schaniel, Okko-Pekka Salmimies und Pauli Immonen.

Der Unfall ereignete sich zu einer Zeit, als die Luftwaffe des jungen finnischen Staates erst rund zwei Jahre alt war, und das Schicksal der Alpenflieger wurde zu einem bleibenden Teil der Tradition der finnischen Luftwaffe. Der Jahrestag dieser im Jahr 1920 geschehenen Unglücke wurde zum Gedenktag für die Verstorbenen der finnischen Luftwaffe.

Der Unfall verbindet Finnland, die Schweiz und Sumvitg auf ganz besondere Weise. In seiner Rede am Denkmal dankte Botschafter Salmimies der Gemeinde Sumvitg für die Pflege des Alpenflieger-Denkmals sowie dem Gemeindepräsidenten Patrick Schaniel und dem Gemeindevorstand für die Organisation der Gedenkfeierlichkeiten. Der Botschafter betonte, dass Fragen der Landesverteidigung und der gemeinsamen Geschichte im Jubiläumsjahr der diplomatischen Beziehungen zwischen Finnland und der Schweiz eine besondere Bedeutung hätten. Die beiden Länder feiern 2026 das 100-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen.

Der Gemeindepräsident Schaniel hob in seiner Ansprache hervor, dass die Beziehungen zwischen den Ländern von ganz gewöhnlichen Menschen aufgebaut und gepflegt werden. Die Gemeinde sei dankbar für die enge Verbundenheit zwischen Finnland und Sumvitg, die infolge dieses tragischen Unglücks entstanden sei. Während des Besuchs wurde deutlich, dass das Andenken an die finnischen Opfer des Flugunglücks in Sumvitg noch immer mit grossem Respekt gepflegt wird. Eine in der Nähe wohnende Dame bringt häufig frische Wildblumen zum Denkmal. Der Botschafter legte ein blau-weisses Blumengebinde nieder.

Zwei Familiengeschichten

Suurlähettiläs Okko-Pekka Salmimies laski sinivalkoiset kukat.
Botschafter Okko-Pekka Salmimies legte blaue und weisse Blumen nieder.

Die Initiative zur Errichtung des Denkmals ging seinerzeit von den Nachkommen der Familie Durchman aus. Vertreten wurden sie sowohl bei der Enthüllung der Gedenktafel als auch nun, sechs Jahre später, durch Pauli Immonen. Er berichtete, erstmals während seines Militärdienstes bei der Luftwaffe Ende der 1980er-Jahre vom Gedenktag der Verstorbenen der Luftwaffe erfahren zu haben.

Später erfuhr Immonen von seinem Cousin, der sich mit Ahnenforschung beschäftigte, dass Äly Durchman, der bei dem Unglück ums Leben kam, der Grossonkel seiner Mutter war. Dies weckte sein Interesse, die Geschichte näher zu erforschen. Im Jahr 2018 wanderte Immonen, selbst Pilot, so nah wie möglich an die äusserst schwer zugängliche Unglücksstelle heran.

Als er mit der Gemeinde Sumvitg Kontakt aufnahm, war das Unglück dort kaum bekannt. Immonen wandte sich daraufhin auch an den Feldpropst der Luftwaffe, Kari Mannermaa, sowie an den damaligen finnischen Botschafter in Bern, Timo Rajakangas. Die Bemühungen führten schliesslich dazu, dass hundert Jahre nach dem Unglück, im Jahr 2020, im Rahmen einer kleinen Gedenkfeier eine Gedenktafel enthüllt werden konnte.

Die Vertreterin der Familie Mikkola, Leena-Kaisa Mikkola, erzählt, dass die Geschichte ihres Grossonkels Väinö und der Alpenflieger für die Familie von grosser Bedeutung gewesen sei. Im Haus ihrer Grosseltern gab es viele Fotografien und Erinnerungsstücke aus Väinös Laufbahn, die sich heute offenbar im Luftfahrtmuseum befinden. Über ihn wurde zudem das Buch „Väinö Mikkola, Alppilentäjän elämä“ („Väinö Mikkola, das Leben eines Alpenfliegers“) verfasst.

Mikkola beschreibt ihren Grossonkel als eine aussergewöhnliche Persönlichkeit mit einem bewegten Leben. Während des Finnischen Bürgerkriegs geriet er in die Gefangenschaft der Roten und entging nur knapp der Hinrichtung. Russische Matrosen, deren Vorgesetzter er vor der Russischen Revolution gewesen war, retteten ihm das Leben.

Väinö war zudem künstlerisch und musikalisch begabt. Er kannte den finnischen Komponisten Jean Sibelius persönlich und lud ihn ein, ihn auf einer Reise nach Italien zur Übernahme von Flugzeugen zu begleiten. Mikkola versicherte ihm, die Reise sei völlig ungefährlich. Die Geschichte zeigt jedoch, dass Sibelius die Einladung ausschlug und die Reise nicht antrat.

 

Text und weitere Information: Eili Andersson, Stellvertreterin des Botschafters ([email protected]), Botschaft von Finnland, Bern

Paikalliset alppitorvet toivat tilaisuuteen juhlavuutta.
Lokale Alphornbläser brachten Feierlichkeit zum Gedenkanlass.


 

 

 

Linkit

Elokuvan Alppilentäjät Revision (2020) traileri (Trailer für den Film Alppilentäjät Revision (2020))