Ausstellung: Luondu Luonddus – As Part of Nature, We Are Nature

7.10.2022 – 15.1.2023

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11.00 bis 19.00 Uhr Wochenende und Feiertage 11.00 bis 16.00 Uhr

Berlin

Felleshus, Rauchstraße 1, 10787 Berlin

Nordische Botschaften

Näyttely ,

EINE KUNSTAUSSTELLUNG ÜBER DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN MENSCH UND NATUR

Werke von Sigurður Guðjónsson Julie Edel Hardenberg Marja Helander Outi Pieski | Máret Ánne Sara Anders Sunna
Kuratiert von Irene Snarby und Christina Landbrecht

Die diesjährige nordische Gruppenausstellung im Felleshus zeigt 24 Kunstwerke von sechs renommierten Künstlerinnen und Künstlern aus Island, Kalaallit Nunaat (so der Name Grönlands in der Sprache seiner indigenen Bevölkerung) und aus dem schwedischen, norwegischen und finnischen Teil Sápmis – einer transnationalen Region, die sich von Norwegen bis zur Kola-Halbinsel in Russland erstreckt. Die Videoarbeiten, Skulpturen, Gemälde, Fotografien und Installationen präsentieren  unterschiedliche künstlerische Reflektionen aus den Regionen sowie indigene Perspektiven auf das Thema Natur. Die ausgewählten Arbeiten thematisieren eine Beziehung zwischen Mensch und Natur, die von mythisch-surreal bis konfliktreich und existenzbedrohend reicht.

»Luondu« ist ein samisches Wort mit einer komplexen Bedeutung. Es bezeichnet sowohl Natur als auch Persönlichkeit. »Luonddus« wiederum bedeutet „in der Natur sein“. Die poetische Alliteration »Luondu Luonddus« verwebt beide Bedeutungen miteinander und lässt sich übersetzen mit »Als Teil der Natur sind wir Natur«. Für die Sámi gibt es kein »wir« (Menschen), das im Gegensatz zu »es« (Natur) steht. Sowohl für die Sámi als auch für die Inuit aus Kalaallit Nunaat (Grönland) und für die Isländer koexistieren Mensch und Natur nicht nur, sie sind untrennbar miteinander verbunden.

Die Auswahl der Kunstwerke – darunter auch mehrere Künstlerinnen und Künstler, die derzeit die Nordischen Länder auf der Biennale in Venedig vertreten – regt zu der Frage an, wie wir angesichts der unübersehbaren globalen Umweltbedrohungen ein neues Verständnis für unsere Umgebung entwickeln können.

Der isländische Künstler Sigurður Guðjónsson lädt uns ein, ein Karbonfragment aus nächster Nähe zu betrachten und das Stück Natur auf mikroskopischer Ebene in ungewohnter Weise wahrzunehmen:  Seine Videoarbeit suggeriert, dass Natur auf der Mikroebene durch Klang und Bild zum Leben erweckt wurde.

Outi Pieski aus dem finnischen Teil Sápmis integriert Rentierknochen und traditionelle Textilien in ihre Gemälde  und erzählt so eine persönliche Geschichte mit magisch-mythischen Untertönen über die Giisavárri Berge.

Die Familie der Künstlerin Marja Helander ist in der Nähe von Pieskis Familie beheimatet: Beide Orte befinden sich unweit von Ohcejohka / Utsjoki im finnischen Teil Sápmis. Helander zeigt eine vor wenigen Jahren entstandene Serie von Fotografien, die mythische Kreaturen und hybride Wesen (beide von der Künstlerin selbst verkörpert) in einer vom Bergbau zerstörten Landschaft in Erscheinung treten lässt.

Drei Skulpturen von Máret Ánne Sara, die aus dem norwegischen Teil Sápmis stammt, sind aus organischem Material wie Rentierknochen, Leder und Gras gefertigt.

Die Gemälde von Anders Sunna, aus dem schwedischen Teil Sápmis, stellen unverhohlen politische Kommentare zu jahrzehntelangen Ungerechtigkeiten dar, die von Rentierherden lebende Familien erfahren haben.

Eine Serie Fotografien von Julie Edel Hardenberg thematisiert die Jagd auf Robben, eine jahrhundertalte Praxis in Kulaallit Nunaat, die nach wie vor ausgeübt wird, jedoch in den letzten Jahren kontroverse Debatten nach sich gezogen hat.

»Luondu Luonddus« will die prekär gewordene Beziehung zwischen Mensch und Natur aufzeigen. Viele Werke sind durchaus als künstlerische Abrechnungen mit einer kolonialen Vergangenheit und den damit verbundenen Konsequenzen für das Leben der indigenen Völker und für die Natur anzusehen. Die Werkauswahl vermittelt aber nicht nur politische Standpunkte, sondern auch ein Bewusstsein dafür, wie schwer sich die Trennlinie zwischen Mensch und Natur ziehen lässt. Die präsentierte Kunst macht uns einmal mehr deutlich, dass wir in einem fragilen Ökosystem leben. Was auch immer der Natur widerfährt, wird auch uns widerfahren.

Mit freundlicher Unterstützung des Nordischen Ministerrats.

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